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Die Geburt der inneren Ruhe

Heute war ich wieder da. An der Stelle, an der ich entschleunigt wurde.

Vor knapp 2 Monaten war ich Laufen. Es waren Minusgrade, Silvester stand bevor, gemütliche weihnachtliche Tage lagen hinter mir. Ich sage dem Schweinehund „Ciao“, pack mich warm ein und freue mich auf meine übliche Wald und Wiesen-Runde. 7 Kilometer und ich genieße es. Die frische Luft, die Stille am frühen Morgen und das Gefühl wieder durchatmen zu können. Dann kam sie: die Lehre (Learning) oder der Segen (Blessing)?

Learning oder Blessing?

4 Radfahrer schneiden mich an der Einbiegung von Straße zu Feld, ich weiche aus und trete auf Eis. So schnell dass ich nicht mal nachdenken kann, rutsche ich auf vereister Wiese aus und stürze auf Stein. Ich spüre erst nichts, dann nehme ich wahr, wie einer der 4 Radfahrer absteigt und fragt, ob ich Hilfe brauche. Ich winke ab. Er versichert sich ein zweites Mal, erneut mache ich klar, dass es mir gut geht. Im Schock stehe ich auf, nun spüre ich Schmerzen und beiße mir auf die Lippen. Ich kann kaum laufen, Tränen laufen über meine eiskalten Wangen, jetzt habe ich das Gefühl aus einem Traum zu erwachen (Schock?). Wenigstens ist der Weg zu meiner Mutter nicht weit.

Ich komme bei ihr an und spüre nichts mehr. Vom Sturz oder von der Kälte? Ich weiß es nicht. Sie umarmt mich, erneut laufen Tränen meine Wangen herunter. Vor Erleichterung es hierher geschafft zu haben und vor Empörung über die Situation. Und jetzt erst begreife ich, wie ernst es ist. Ich gehe vorsichtig in die heiße Dusche, ich spüre noch nicht mal das heiße Wasser. Ich lege mich hin und ruhe mich aus. Ein früher Schlaf abends zu Hause gibt mir dann ein Gefühl der Sicherheit.

Geht schon

Am nächsten Tag. Ich bin mit den Kindern unterwegs. Blaue Stellen am Körper verteilt, aber ist ja alles nochmal gut gegangen. Geht schon. Wir fahren an die Tankstelle um das Auto auszusaugen. Nachwievor habe ich kein richtiges Körpergefühl, aber ist alles nicht so schlimm.

Ich schmeiße 50 Cent in den Staubsauger um die Tannenbaum-Nadeln aus dem Kofferraum zu entfernen. Alles nach dem Sturz, kein Problem, geht schon. Der geräumige Kofferraum und die kurzen Arme passen irgendwie nicht zusammen. Also hole ich Schwung, um nach hinten zu kommen. Stille.

Plötzlich höre ich leicht verzerrtes Lachen der Kinder, sehe aus dem verschwommenen Augenwinkel eine Frau die plötzlich neben mir steht und mich um 1 Euro bittet und das nächste, das ich wahrnehme ist ein Schmerz am Kopf. Ich fasse mir unter die Mütze und fühle auf einer schmerzenden Stelle warmes, nasses Blut. Ich setze mich geistesgegenwärtig ins Auto und fahre nach Hause. Eine Freundin besucht mich und bemerkt dass ich blass aussehe und irgendwie was anders ist. Ich fühle mich gar nicht gut. Übelkeit, Benommenheit, Schwindel. Wenig später sitze ich in der Notaufnahme der örtlichen Klinik und lasse mir eine Verstauchung der Halswirbelsäule und eine Gehirnerschütterung diagnostizieren. Verordnung: Ruhe.

Ruhe, habe ich das nicht schon mal gehört?

Vor fast genau 2 Jahren war ich bereits in der Notaufnahme. Diagnose: Verstauchung der Halswirbelsäule und Gehirnerschütterung.

Damals 2 Pferde, diesmal 4 Radfahrer. Nun ja, ist auch ein Verlauf, denke ich mir. Aber Spaß beiseite. Was würde ich einem Patienten raten und wie würde ich mit ihm darüber sprechen, dass das Leben so kurz hintereinander 2-mal die gleiche Taktik anwendet, mit dem Ergebnis der Entschleunigung und mit dem offensichtlichen Ziel der Ruhe?

Ich will es nicht hören und auch nicht darüber nachdenken. Ich schiebe es auf den „Schuster mit den schlechtesten Schuhen“.

Nach etwas Überlegung, ein paar heilsamen schamanischen Reisen und geführten achtsamen Meditationen gebe ich der Ruhe eine Chance. Ich ziehe mich zurück. Familiär, privat, beruflich. Handy, Bücher lesen, Telefonieren. Alles „muss‘ warten. Es fällt sofort auf. „Vanessa, du hast schon lange nichts online gepostet?“. „Vanessa von dir hört und sieht man nichts mehr.“ „Vanessa, wann gibst du die nächsten Seminare, deine Termine sind noch nicht online?“.

Ich habe sie abgegeben. Die Kontrolle, das Tempo und den Druck als Taktgeber. Faktoren die ich gut kenne und mit denen ich gelernt habe, umzugehen. Aber als Learning aus 2 Gehirnerschütterungen und mehreren Stürzen in 2 Jahren, habe ich der Ruhe eine Chance gegeben. Und ich muss sagen: In der Ruhe liegt die Kraft.

Ruhe, was ist das?

Ein Zustand, in dem man durch nichts in seinem Seelenfrieden gestört wird: durch kein Geräusch und noch nicht mal durch einen Gedanken oder ein Gefühl“ sagt Sukadev Bretz, Gründer und Leiter von Yoga Vidya. Ich habe über 10 Jahre selbst intensiv Yoga praktiziert und erinnere mich.

Ich denke und fühle ständig, seit denn, ich gehe bewusst in die Meditation oder auf schamanische Reise oder bin in der Sille während ich laufe! Hier bin ich ganz ich. Ganz still, ganz gedanken- und gefühlslos. Es kommen Gedanken und Gefühle hoch, aber ich habe die Kontrolle abgegeben. Ich gebe nicht das Tempo vor und auch nicht den Takt. Es ist ein Zustand erholsamer Untätigkeit, der mir Gelassenheit und Vertrauen schenkt. Ein Zustand in dem Emotionen, Gedanken und Handlungen nicht überkochen, sondern in Ordnung (nicht im Chaos) und mit Ausgeglichenheit und Gleichmut geschehen.

Heute war ich wieder da. Nach 2 Monaten. Ein innerer Ruf führte mich hierher. Ich war wieder Laufen.

Es war komisch, denn es kam mir wie eine Prüfung vor. 7 Kilometer. Mal matschig, mal vereist. In jedem Fall nur mit Muße, Achtsamkeit und Ruhe machbar. Die Kontrolle, die Getriebenheit (ich möchte 7 KM durchgehend joggen) habe ich wieder abgegeben, ich habe im Vertrauen und mit Muße meinen Lauf abwechselnd joggend, walkend, stehend, atmend und in aller erster Linie bewusst, genießend und achtsam, geschehen lassen.

Es kamen Antworten in mir hoch zu Fragen, die in mir gährten. Im Bewusstsein aber auch im Unterbewusstsein. Eines jedoch wurde mir wie ganz klar vor Augen geführt:

Wenn du den Ruhepol in dir findest und aktivierst, dann kommst du immer wieder an deine Kraft, egal welcher Sturm um dich herum tobt. „In der Ruhe liegt die Kraft“ und wenn du dich von Gedanken, Emotionen und dieser Getriebenheit lösen kannst und du beginnst im Innen zu lauschen, in deinem Bewusstsein, dann findest du, wie die Yogis sagen, Sat (unendliches Sein), Chit (Wissen, Bewusstheit) und Ananda (die große Freude). Du wirst wachsen und dich selbst finden. Und so wird aus dem Learning ein Blessing… oder ist das sowieso ein und dasselbe? =)

In diesem Sinne

Sat Chit Ananda.

Eure Vanessa

PS: Eine meiner üblichen Werkzeuge für die Erlangung von innerer Ruhe und Stärkung der Gelassenheit und des Bewusstseins findest du hier. Wenn du diese Technik probieren willst, lass es mich wissen und wir führen sie gemeinsam durch.

 

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